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Jetzt erst recht: Warum Nerdventures genau heute online geht

D&A
Dani & André
unterwegs seit 2018
Lesezeit
19. August 2026
Jetzt erst recht: Warum Nerdventures genau heute online geht

Eigentlich sollte dieser Blog heute noch gar nicht offiziell online gehen.

Der Plan war natürlich viel vernünftiger.

Erst fünf bis zehn Artikel fertig machen. Den Zeltartikel noch überarbeiten. Unsere Über-uns-Seite fertig machen. Ein paar hübsche Kacheln für Social Media bauen. Alles noch einmal kontrollieren.

Dann irgendwann auf einen großen roten Knopf drücken und sagen:

Tadaaaa. Nerdventures ist da.

Tja.

Nerdventures geht jetzt online.

Heute.

Mit einem Artikel.

Ohne fertige Kacheln.

Ohne großen Launch.

Im Grunde ziemlich blind.

Und wisst Ihr was?

We don’t give a fuck.

Denn die Geschichte, warum wir ausgerechnet heute auf „Veröffentlichen“ drücken, ist vermutlich der passendste erste Artikel, den dieser Blog bekommen konnte.

Alles begann mit einem ziemlich normalen Arbeitstag

Ich arbeite gerade wieder intensiver an Webdesigns.

Unter anderem an der Website für einen Hundesalon.

Heute habe ich mit der Kundin die letzten Dinge über WhatsApp abgestimmt, ihre Wünsche umgesetzt und das Design fertiggestellt.

Und mit fertig meine ich:

Fertig.

Abgesegnet.

Durch.

Feierabend.

Außerdem habe ich heute noch Designs und Kacheln für diesen Blog angestoßen.

Ja.

Für genau den Blog, auf dem Ihr diesen Text gerade lest.

Danach habe ich gekocht.

Und als ich wiederkam, war mein AI-Account gesperrt.

Einfach so.

Gestern: 90 Euro. Heute: Tür zu.

Und jetzt kommt der Teil, bei dem mein Blutdruck noch ein kleines bisschen weiter steigt.

Ich hatte keinen kostenlosen Account.

Keinen kleinen Basistarif.

Ich hatte das Max-Paket.

Rund 90 Euro im Monat.

Weil ich das Ding beruflich benutzt habe.

Und diese rund 90 Euro?

Wurden gestern erst wieder abgebucht.

Gestern bezahlt.

Heute gearbeitet.

Kundenprojekt fertiggestellt.

Blogdesigns angestoßen.

Kochen gegangen.

Zurückgekommen.

Account dicht.

Kannste Dir nicht ausdenken.

Und meine Arbeit?

Tja.

Ich hatte in den vergangenen Wochen unter anderem 22 Webdesigns entwickelt.

Neun davon hatte ich bereits heruntergeladen.

Immerhin.

Die restlichen Designs sind für mich momentan genauso wenig erreichbar wie der fertige Stand des Hundesalons.

Aber wisst Ihr, was mich fast noch mehr ankotzt?

Die ganzen Gedanken dazwischen.

Marketingpläne.

Preisideen.

Strategien.

Case Studies.

Angebote.

Ideen, die mit einem „Man könnte doch …“ angefangen und nach Stunden oder Tagen irgendwann bei einem ziemlich konkreten „Genau so machen wir es“ geendet haben.

Das Zeug lag nicht ordentlich in einer Datei namens:

MARKETINGPLAN_FINAL_FINAL_JETZTABERWIRKLICH.docx

Natürlich nicht.

Es entstand in Gesprächen.

Gedanke für Gedanke.

Und plötzlich war die Tür zu.

„Aber warum hast Du das nicht alles heruntergeladen?“

Weil ich verdammte 90 Euro im Monat für diesen Account bezahlt habe?

Weil ich wenige Stunden vorher noch ganz normal darin gearbeitet habe?

Weil mein Kundenprojekt fertig war und ich lediglich kochen gegangen bin?

Natürlich weiß ich, dass man Backups machen sollte.

Ich bin seit mehr als fünf Minuten im Internet.

Aber offenbar gibt es einen Unterschied zwischen:

„Ich weiß, dass Backups wichtig sind.“

und:

„Ich rechne ernsthaft damit, dass ich nach dem Abendessen nicht mehr an meine Arbeit komme.“

Bis heute gehörte ich zur ersten Gruppe.

Herzlichen Glückwunsch an mich.

Social Media hat uns das eigentlich längst beigebracht

Das Absurde daran:

Bei Social Media wissen wir eigentlich längst, wie dieses Spiel funktioniert.

Facebook ist kostenlos.

Instagram ist kostenlos.

TikTok ist kostenlos.

Nur sind sie natürlich nicht wirklich kostenlos.

Wir bezahlen mit unseren Daten.

Mit unserem Verhalten.

Unseren Interessen.

Unserer Aufmerksamkeit.

Unserem Content.

Unserer Zeit.

Und wenn wir dort beruflich unterwegs sind, bezahlen wir noch mit etwas anderem:

Abhängigkeit.

Wir sammeln Follower auf einer Plattform, die uns nicht gehört.

Wir investieren Jahre in Reichweite, über deren Verteilung ein Algorithmus entscheidet.

Wir bauen im schlimmsten Fall ein komplettes Business auf fremdem Grund.

Und dann ändert jemand die Regeln.

Oder die Reichweite verschwindet.

Oder der Account wird gesperrt.

Das Grundstück gehörte schließlich nie uns.

Bei AI habe ich denselben Fehler noch einmal gemacht

Nur fühlte es sich anders an.

Denn diesmal habe ich schließlich bezahlt.

Und zwar nicht wenig.

Das Max-Paket war für mich ein Arbeitswerkzeug.

Also fühlte es sich irgendwann auch wie mein Arbeitsplatz an.

Aber genau da liegt der Denkfehler.

Ich habe den Arbeitsplatz nicht gekauft.

Ich habe Zugang dazu gemietet.

Bezahlen bedeutet nicht besitzen.

Nicht für 10 Euro.

Nicht für 90 Euro.

Und vermutlich auch nicht für 900 Euro.

Wenn jemand anderes den Schlüssel hat, stehst Du im Zweifel trotzdem draußen.

AI war nicht mehr nur Werkzeug

Und das ist wahrscheinlich die Erkenntnis, die mich heute am meisten beschäftigt.

AI ist verdammt praktisch.

Vielleicht zu praktisch.

Denn irgendwann benutzt man sie nicht mehr nur.

Man denkt darin.

Man entwickelt darin.

Man verwirft Ideen darin.

Man baut auf alten Gesprächen auf.

Und ganz langsam passiert etwas, das man kaum bemerkt:

Aus einem Werkzeug wird ein Gedächtnis.

Genau da wird es gefährlich.

AI darf mir beim Denken helfen.

Aber das Ergebnis dieses Denkens muss wieder zu mir zurück.

Meine fertigen Designs.

Meine Strategien.

Meine Entscheidungen.

Meine Texte.

Meine Ideen.

Mein geistiges Eigentum.

Das gehört nicht ausschließlich in irgendeinen Account.

Egal, wie teuer der ist.

Und dann stand da dieser Blog

Nerdventures war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon da.

Website gebaut.

Domain da.

Technisch online.

Nur eben noch nicht wirklich online.

Noch nicht offiziell.

Denn es fehlten ja die fünf bis zehn Artikel.

Die Kacheln.

Der Feinschliff.

Der perfekte kleine Launch.

Und ausgerechnet ein paar dieser Launch-Kacheln hatte ich wenige Stunden vorher in genau dem AI-Account angestoßen, aus dem ich plötzlich ausgesperrt war.

An dieser Stelle wurde es endgültig absurd.

Ich sitze da und fluche darüber, dass ich wichtige Arbeit auf einer fremden Plattform liegen gelassen habe.

Und gleichzeitig sage ich:

„Nee, unseren eigenen Blog können wir noch nicht veröffentlichen. Uns fehlen noch die Kacheln.“

Ernsthaft?

Fuck it. Wir gehen online.

Also haben wir noch kurz geguckt, ob irgendwo tote Links herumliegen.

Und dann war die Entscheidung gefallen.

Wir gehen online.

Heute.

Ohne Kacheln.

Ohne zehn vorbereitete Artikel.

Ohne perfekten Contentplan.

Ohne großes Social-Media-Tamtam.

Im Grunde vollkommen blind.

Fuck it.

Dieser Text wird der erste Artikel.

Der Rest kommt danach.

More to come.

Jetzt erst recht

Vielleicht bekomme ich meinen AI-Account morgen zurück.

Vielleicht bekomme ich meine Daten irgendwann exportiert.

Vielleicht bekomme ich alles zurück.

Vielleicht nicht.

Heute weiß ich es nicht.

Und für das, was heute passiert ist, spielt es auch keine Rolle.

Denn heute konnte ich meine eigene, bereits geleistete Arbeit nicht benutzen.

Mein Mann saß plötzlich da und suchte nach anderen Ständen und Designs, statt seiner eigenen Arbeit nachzugehen.

Und das alles einen Tag, nachdem der nächste Monat meines Max-Pakets bezahlt worden war.

Mehr Anschauungsmaterial zum Thema Plattformabhängigkeit brauchte ich wirklich nicht.

Baut Euer Zuhause nicht auf fremdem Grund

Ich werde deshalb nicht behaupten:

Benutzt nie wieder Social Media.

Benutzt nie wieder AI.

Das wäre Quatsch.

Beides kann unglaublich nützlich sein.

Aber verwechselt nützlich nicht mit eigen.

Eure Follower auf Instagram sind keine Mailingliste, die Euch gehört.

Eure Facebook-Seite ist keine eigene Website.

Euer AI-Account ist keine Festplatte.

Und ein 90-Euro-Abo ist kein Tresor für Euer geistiges Eigentum.

Nutzt die Werkzeuge.

Aber holt das Wertvolle wieder heraus.

Denn wenn Ihr morgen früh plötzlich nicht mehr hineinkommt, ist die entscheidende Frage nicht:

„Wem gehören die Daten theoretisch?“

Sondern:

„Kann ich jetzt damit arbeiten?“

Heute konnte ich es nicht.

Willkommen bei Nerdventures

Und damit wären wir hier.

Bei einem Blog, der heute eigentlich noch gar nicht starten sollte.

Mit einem Artikel statt zehn.

Mit fehlenden Kacheln.

Mit Dingen, die wir morgen wahrscheinlich noch ändern werden.

Und mit einer Autorin, deren Blutdruck beim Schreiben vermutlich nicht ganz den medizinischen Idealwert erreicht.

Aber:

Nerdventures ist online.

Auf unserer eigenen Domain.

Unperfekt.

Ungeplant.

Und sehr viel früher als vorgesehen.

Vielleicht ist das sogar der passendere Start für einen Blog über unser Leben.

Denn wenn die vergangenen Jahre uns irgendetwas beigebracht haben, dann vermutlich, dass sowieso nie alles nach Plan läuft.

Also scheiß auf perfekt.

Jetzt erst recht.

Willkommen bei Nerdventures.

More to come.


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